Helmut Naujoks – seine Opfer (Teil 1)

Helmut Naujoks Der Fertigmacher

MOBBING Wenn es gegen Gewerkschaften und Betriebsräte geht, greift der Duisburger Anwalt Helmut Naujoks zu rüden Methoden. Opfer und deren Anwälte erheben massive Vorwürfe.

Rita Regenfelder

Rita Regenfelder

Rita Regenfelder nimmt die Brille ab, legt sie vor sich auf den Tisch, rückt im Sessel ganz weit nach vorne. Sie steht noch immer unter Spannung, wenn sie über diese Zeit spricht. Dann sprudelt es aus ihr heraus, so schnell, dass sie kaum zu verstehen ist mit ihrem schwäbischen Akzent. Es dreht sich um zweieinhalb Jahre, die ihre Spuren hinterlassen haben.

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Diskriminierungsprozess „Keine Nachteile“ VON JANA SCHULZE

Wiesbaden. In ein „Triumphgeheul“ wolle er nicht ausbrechen, sagte Rechtsanwalt Ulrich Volk. Aber ein breites Grinsen konnte sich der Rechtsvertreter des größten deutschen Lebensversicherers R+V nicht verkneifen, als der Richter am Donnerstag das Urteil im derzeit bekanntesten Diskriminierungsprozess gesprochen hatte: Die R+V muss nicht die geforderte Summe von fast einer halben Million Euro zahlen, sondern nur 10.818 Euro.

In dem Verfahren am Arbeitsgericht Wiesbaden hatte sich Sule Eisele-Gaffaroglu, Personenversicherungsvertreterin im schwäbischen Bad Saulgau, auf das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) berufen. Eisele-Gaffaroglu war im Mai 2007 gegen ihren Arbeitgeber wegen Diskriminierung aufrgund ihres Geschlechts und ihrer ethnischen Herkunft erstmals zu einem Anwalt gegangen.

Anfang 2007 hatte die R+V die damals 37-jährige türkischstämmige schwangere Mutter dazu gedrängt, nach dem gesetzlichen Mutterschutz von drei Monaten ein Jahr in Elternzeit zu gehen. Die verheiratete Frau war schockiert und lehnte ab, war sie doch Alleinernährerin ihrer Familie.

Als das Kind – ihre zweite Tochter – geboren war und Eisele-Gaffaroglu in ihren Zuständigkeitsbezirk zurückkehrte, hatte ein männlicher Kollege ihren Posten bezogen. Sie dagegen wurde in einen Bezirk versetzt, in dem sie weniger Kunden betreuen und demzufolge weniger Versicherungsprovision erzielen konnte. Der Zugang zu ihrem Dienst-Laptop wurde gekappt. Eine schwere Zeit begann für die Frau – im Juni dieses Jahres war sie gar für zwei Monate in einer psychiatrischen Klinik.

Das Gericht sah nun – trotz fast 150-seitiger Beweisführung durch die Rechtsanwälte Klaus Michael Alenfelder und Frank Jansen – weder in der Geschlechter- noch in der ethnischen Frage eine Benachteiligung der Klägerin- Auch die Tatsache, dass Eisele-Gaffaroglu ihren Dienst-PC nicht benutzen konnte, zählte nicht. Allein für die Versetzung in den neuen Arbeitsbezirk machte das Gericht einen Entschädigungsanspruch von 10.818 Euro geltend und erklärte die Versetzung selbst für unwirksam. Dies entspreche drei Brutto-Monatsgehältern.

Eisele-Gaffaroglu blieb nach dem Urteil kämpferisch: „Ich habe damit gerechnet, aber ich mache weiter. Dieser Prozess ist noch nicht zu Ende.“ Es erstaune sie, wie ein Milliardenunternehmen „durch 10.000 Euro von Diskriminierung abgeschreckt“ werden solle. Ihr Anwalt, der AGG-Fachmann Alenfelder, sagte, das Gericht habe die Geschlechter-Benachteiligung bestätigt. Damit liege klar Diskriminierung vor. Das streitet die R+V ab. Die Klägerin will Berufung einlegen.