Mobbing in der Caritas

Mobbing beim Helfer in der Not

Barmherzigkeit, Nächstenliebe, Fürsorge – dafür steht die Caritas. Gerne präsentiert sich der Sozialverband öffentlich als „Helfer in der Not“. Doch die Mitarbeiterin Anke S.* (31) hat von all dem nichts erfahren. Für sie wurde die Caritas zum puren Albtraum. Die verheiratete Passauerin erhebt schwere Mobbing-Vorwürfe! Hinter der schönen Caritas-Fassade rumort es deshalb gewaltig.

Der Caritasverband für die Diözese Passau e.V. hat eine brisante Klageandrohung über 10 000 Euro Schmerzensgeld auf dem Tisch. Damit wehrt sich Anke S. gegen jahrelange Gängeleien und schweres Mobbing durch Vorgesetzte der Passauer „Donauhof-Werkstätten“. In der Einrichtung arbeiten auch behinderte Menschen, Träger ist der Caritasverband.

Seit 2003 sollen unmittelbare Dienstvorgesetzte die Wäscherei-Angestellte Anke S. in unzähligen Fällen gemobbt und schikaniert haben. In der Folge wurde das Opfer körperlich und psychisch schwer krank – unternahm sogar einen Suizid-Versuch!

Ein Arzt bestätigt dies durch Diagnosen. Neun Seiten umfasst das Schriftstück von Anwalt Florian Schäfer. Was darin zu lesen ist, schockt sogar hart gesottene Arbeitsrechtler. „In meiner Karriere ist mir ein derart schwerer Fall noch nicht unter gekommen“, sagt Schäfer und spricht von „Rustikalmobbing“.

Beispiele für die unglaublichen Vorfälle bei der Caritas sind in der Klageschrift zur Genüge aufgelistet. In Auszügen wird beschrieben:

  1. Anke S. wurde gezwungen, als einzige Angestellte ihre Pausen alleine zu verbringen.
    Dafür sorgten Vorgesetzte durch eine „entsprechende“ Arbeitseinteilung.
  2. Vegetarisches Essen wurde ihr in der Kantine verweigert, stattdessen wanderte dieses auf dem Biomüll.
    Schikane gab es offenbar auch regelmäßig kurz vor Dienstende.
  3. Trotz Gleitzeitregelung wurde Anke S. angewiesen, fünf Minuten länger zu bleiben, als sie es wollte. Ein betrieblicher Anlass für die „verlängerte Dienstzeit“ sei nicht zu erkennen gewesen.

„Zweck des Zwanges war allein, dafür zu sorgen, dass sie ihren Bus verpasst“, erläutert Anwalt Schäfer. Der Wäscherei-Angestellten wurde es laut Klageschrift ebenfalls untersagt, sich mit Kollegen während der Arbeitszeit zu unterhalten. Anke S. musste sogar an einer Tafel notieren, wenn sie zur Toilette ging. Bei Unterlassung und anderen Nichtigkeiten hagelte es Abmahnungen sowie dienstliche Rügen. Die aktuellste sei in dieser Woche eingetroffen, obwohl sich Anke S. derzeit im Krankenstand befindet. Das Opfer versuchte sich in der Vergangenheit oft zu rechtfertigen. Die Reaktion war immer die selbe: Man sprach Anke S. offenbar die Glaubwürdigkeit ab.

Anwalt Schäfer bringt es auf den Punkt:

„Es herrschten Verhältnisse wie in einem Zuchthaus.“

Im Interview mit der AS schildert das Mobbing-Opfer sein langjähriges Martyrium bei den Donauhof-Werkstätten der Caritas:

„Ich war jeden Tag fertig und habe nur noch geweint. Den Grund für die Schikanen kann ich mir bis heute nicht erklären.“

Aufgeben will die 31-Jährige aber nicht. Denn früher habe sie mal viel Spaß an ihrer Arbeit gehabt. Auf die schweren Mobbing-Vorwürfe angesprochen, reagierte die Caritas-Leitung gereizt bis peinlich berührt.

Josef Wenk, Leiter der Donauhof-Werkstätten, verweigerte gegenüber der AS jeden Kommentar. Dafür sprach Caritasdirektor Volker Kuppler. Er bestreitet die Vorfälle als „nicht haltbar“ und sieht die Caritas als „zu unrecht an den Pranger gestellt“. Die Mitarbeitervertretung geht d’accord. Mittlerweile gebe es zwei volle Aktenordner über den Fall. „Die Caritas hat sich aber nichts vorzuwerfen“, erklärte Kuppler telefonisch. Er hoffe auf eine gute Lösung durch ein Schlichtungs-Gespräch, das noch vor einem Prozess beim Arbeitsgericht ansteht.

Kuppler versicherte: „Wir sind bemüht, die Differenzen zu lösen. Die Tür ist von unserer Seite aus nicht zugeschlagen!“ Mit wieviel Entgegenkommen Anke S. wirklich rechnen kann, ist aber unklar. Eigentlich zeigte sich Caritasdirektor Volker Kuppler von seiner versöhnlichen Seite. Den schönen Worten folgte aber nur ein paar Stunden später eine ungewöhnlich rüde Pressemitteilung.

Schriftlich ließ der Caritas-Boss darin erklären: „Wir bedauern sehr, dass, um Stimmung zu machen, bereits vor dem Schlichtungsverfahren die Öffentlichkeit informiert wurde. Der Caritasverband für die Diözese Passau e.V. behält sich ausdrücklich vor, auf unberechtigt erhobene Vorwürfe Strafanzeige und Strafantrag wegen übler Nachrede und Verleumdung zu stellen.“ Offenbar wünscht die Caritas keine Veröffentlichung über die Mobbing-Vorwürfe und reagiert entsprechend dünnhäutig mit Androhung von rechtlichen Schritten.

Schon wieder entsteht der Eindruck von fehlender Sensibilität: Die Zeilen dürften vor allem von Mobbing-Opfer Anke S. wieder als deutliche Einschüchterung und Angstmache empfunden werden.

Auff nochmaliges Nachhaken der AS war Volker Kuppler plötzlich nicht mehr zu sprechen.

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